Chat Protokoll
vom Donnerstag, 7. Oktober 2004, 18.00 – 19.00 Uhr
Psychotherapie und Psychoedukation bei bipolaren Störungen mit Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner
Klinik für Psychiatrie, Verhaltensmedizin und Psychosomatik
Klinikum Chemnitz
Moderation: Herzlich Willkommen! Der Chat ist eröffnet, bitte stellen Sie Ihre Fragen.
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner: Herzlich willkommen
Martina: Was versteht man eigentlich genau unter Psychoedukation?
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner:
Psychoedukation beinhaltet die Schulung des Betroffenen hinsichtlich
seiner psychischen Erkrankung. Was an Inhalten im einzelnen vermittelt
wird, variiert in Abhängigkeit vom jeweiligen Schulungsleiter. So
beschränken sich manche auf die Vermittlung von Informationen über
bipolare Erkrankungen, also ihre Merkmale, den Verlauf, die Ursachen
usw., und deren Behandlung. Andere dagegen, wie auch unserer Ansatz in
Chemnitz, vermitteln darüber hinaus den Betroffenen konkrete
Bewältigungsstrategien im Umgang mit der Erkrankung (z.B.
Frühwarnzeichen erkennen und gegensteuern oder Stressbewältigung) und
berücksichtigen dabei die individuellen Problembereiche der einzelnen
Betroffenen.
HerrLampe: Warum werden bei dieser schweren
Erkrankung die psychotherapeutischen Behandlungen nicht durchgehend von
der Krankenkasse übernommen?
Moderation: Liebe Teilnehmer. Bitte stellen Sie Ihre Fragen.
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner: Es stimmt
schon, wenn Sie eine Psychotherapie beantragen, wird von der
Krankenkasse erstmal eine gewisse Stundenanzahl bewilligt. Diese kann
dann noch mal aufgestockt werden, wenn der behandelnde Psychotherapeut
dies beantragt. Darüber hinaus besteht aber auch die Möglichkeit, bei
einem chronischen Verlauf der Erkrankung an klinikangeschlossenen
Ambulanzen sich behandeln zu lassen. In diesem Fall kann eine
kontinuierliche Mitbehandlung durch Psychotherapeuten erfolgen. Das
gleiche gilt, wenn Sie ambulant zu einem niedergelassenen ärztlichen
Psychotherapeuten gehen.
Agricola: Agricola, ich nehme seit 7 Jahren
Lithium ein und habe seitdem 20 kg zugenommen. Können Sie erfolgreiche
verhaltenstherapeutische Programme nennen, die zu einer deutlichen
Gewichtsreduzierung führen und dann auch
das Erhaltungsgewicht garantieren ohne Rückfall in alte Gewohnheiten (mehr Essen und Trinken bei Frust und Stress)?
Moderation: Hallo Jürgen. Wir haben Ihre Frage erhalten und diese wird als nächstes bearbeitet.
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner: Wenn Sie bereits die Auslöser kennen, weshalb Sie mehr essen und trinken, nämlich aus Frust oder Stress, kann mit Hilfe der Verhaltenstherapie nach alternativen Verhaltensweisen gesucht werden, um mit diesen Faktoren umzugehen. Dazu gibt es kein spezifisches Programm, sondern man müsste im Einzelfall solche Verhaltensweisen erarbeiten.
Jürgen: Vor 20 Jahren habe ich mal ein
Verhaltenstraining gemacht und möchte es noch einmal versuchen. Wie
finde ich einen guten ´Verhaltenstherapeuten mit Kassenzulassung? Gibt
es spezielle für bipolar Gestörte?
Moderation: Liebe Teilnehmer. Wir haben noch viel Platz für Fragen. Trauen Sie sich!
Moderation: Hallo Jürgen. Ihre zweite Frage ist ebenfalls angekommen und wird bearbeitet.
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner: Sie finden zugelassene Verhaltenstherapeuten in einer Liste, die Sie bei den Krankenkassen anfordern können. Soweit ich weiß, ist da jedoch nicht angegeben, ob sich derjenige auf ein bestimmtes Krankheitsbild spezialisiert hat. Ich würde Ihnen daher empfehlen, bei den angegebenen Therapeuten anzurufen und nachzufragen
Jürgen: Wie weit kann Verhaltenstherapie Medikamente ersetzten bzw. deren Gebrauch einschränken?
Moderation: Hallo Jürgen. Ich habe 2 Fragen von Ihnen in der Warteschleife.
Moderation: Liebe Teilnehmer. Wir warten auf Ihre Fragen. Derzeit haben wir nur Fragen von Jürgen.
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner:
Verhaltenstherapie sollte nicht als Ersatz für die medikamentöse
Therapie angesehen werden, sondern als sinnvolle Ergänzung. Erreicht
man es durch die Therapie, Frühwarnsymptome rechtzeitig zu erkennen und
auch Krankheitsphasen entgegen zu steuern, kann es sein, dass man auch
mit einer niedrigeren Dosierung zurecht kommt und ggf. bei längerer
Krankheitsfreiheit auch mal einen Absetzversuch wagen kann. Dies sollte
aber immer in Abstimmung mit dem Arzt erfolgen.
Jürgen: Mein Gewicht variiert je nach Stimmung,
in der Depression nehme ich ab (bis 68 kg), in augsewogenen Phasen
wiege ich bis 81 kg. Wie kann ich meine Gewichtszunhame begrenzen und
wird sie von Carbamazepin und Noveril begünstigt?
Moderation:
Hallo Heise, Hallo Deprina. Ihre Fragen sind angekommen und werden
bearbeitet. Jürgen, bitte haben Sie Verständniss dafür, dass wir die
Fragen der neuen Teilnehmer vorlassen.
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner: Ein Symptom der Depression ist der Appetitverlust, der natürlich zu einer Gewichtsabnahme führen kann. Ich kann natürlich nicht einschätzen, ob das bei Ihnen der Fall ist. Eine Gewichtszunahme könnten Sie sinnvoll begrenzen, in dem Sie Ihre Ernährung kontrollieren (z. B. Ernährungsberatung) oder durch sportliche Betätigung. Ob die Gewichtszunahme durch die Medikamente erfolgt, sollten Sie mit Ihrem behandelnen Arzt abklären, der Sie diesbezüglich beraten kann.
Heise: Können Sie sagen, welchen positiven Einfluß dasProgramm am Klinikum Chemnitz, das für Gruppen
angeboten wird, auf den weiteren Verlauf der bipolaren Erkrankungen der Betroffenen hat?
Moderation: Hallo Peggy. Ihre Frage ist angekommen und wird bald beantwortet.
Moderation: Hallo Hannes. Ihre Frage ist angekommen und wird bald beantwortet.
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner: Wir führen zur
Zeit eine Langzeituntersuchung durch, die noch nicht abgeschlossen ist.
Erste vorläufige Ergebnisse legen nahe, dass die Betroffenen
rechtzeitige erste Krankheitsanzeichen wahrnehmen und sich entsprechend
schneller in Behandlung begeben. So konnten Klinikeinweisungen zum Teil
verhindert bzw. Aufenthalte verkürzt werden. Auch berichteten die
Betroffenen, Belastungen besser einschätzen und entgegensteuern zu
können.
Deprina: Gibt es auch ausgebildete Therapeuten, die eine Kombination aus Verhaltenstherapie und Tiefenpsychologie anbieten?
Moderation:
Hallo Jürgen. Ihre dritte Frage ist eingegangen. Bitte haben Sie
Verständniss, dass wir erst die Fragen der neuen Teilnehmer einstellen.
Ihre Fragen werden aber auf jeden Fall beantwortet werden.
Jürgen_neu: na klar, kein Problem :)
Moderation: Hallo Heise. Ihre Nachfrage ist angekommen und wird bald beantwortet.
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner: Das gibt es bestimmt, zumal auch in der Verhaltenstherapie eine klärungsorientierte Perspektive eingesetzt werden kann. Wissenschaftliche Untersuchungen zum Einsatz von Tiefenpsychologie bei der Behandlung bipolarer Störungen sind mir derzeit jedoch nicht bekannt.
Peggy: Hallo! Meine Mutter leidet sehr
stark unter bipolaren Störungen, ihr fehlt jede Antriebskraft. Wie
können wir als Familie ihr helfen? Sie ist 53 Jahre alt, könnte es sein
das die Störungen nach dem ' Rückgang ' besser werden?
Moderation: Liebe Teilnehmer. Bitte achten Sie
darauf, dass Ihre Fragen das Thema "Psychotherapie und Psychoedukation"
betreffen. Allgemeine Fragen oder Fragen zu Medikamenten können in
diesem Chat nicht beantwortet werden. Senden Sie diese Anfragen gerne
an den DGBS e.V. (info@dgbs.de), der wird Ihre Frage an einen Fachmann weiterleiten.
Moderation: Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner
wird Sie im Zweifel darauf hinweisen, dass Ihre Frage nicht zum Thema
passt. Wir bitten um Ihr Verständniss.
Moderation: Hallo Lowen. Ihre Frage ist angekommen und wird bald bearbeitet.
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner: Zunächst wäre
wichtig, ob Ihre Mutter in ärztlicher Behandlung ist. Wie Sie ihr
helfen können, muss man im Einzelfall beurteilen. In einer Depression
ist es für den Betroffenen allgemein hilfreich, wenn er Unterstützung
und Entlastung durch die Familie erhält. Besonders wichtig ist auch,
den Betroffenen nicht aufzufordern, sich "zusammenzureißen", da er
aufgrund der Erkrankung gerade dazu nicht in der Lage ist. Des Weiteren
ist es hilfreich, sie zu positiven Aktivitäten zu motivieren. In der
Manie kann eine Rückmeldung über das veränderte Verhalten sinnvoll
sein. Für den Betroffenen ist es wichtig, eine reizarme Umgebung zu
haben und Unternehmungen zu reduzieren.
Hannes: ich habe seit über 20 Jahren mit Depressionen zu tun, wurde aber erst dieses Jahr im Rahmen eines
Klinikaufenthaltes mit der Diagnose Manisch-Depressiv konfrontiert. Medikamentös werde ich mit
Lithium und Trevilor behandelt. Muss ich mich auf eine lebenslange Krankheitsgeschichte einstellen ?
Moderation: Liebe Teilnehmer. Wir haben dereit sehr viele Fragen in der Warteschleife. Wir bitten um etwas Geduld. Vielen Dank!
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner:
Manisch-depressive Erkrankungen sind chronische Erkrankungen, d. h. es
liegt eine Veranlagung vor, die unter bestimmten Bedingungen, z. B.
starke Belastungen, eine neue Krankheitsphase auslösen können. Das
bedeutet, Sie haben ein lebenslanges Risiko, erneut zu erkranken, was
nicht bedeutet, dass dies auch eintrifft.
Jürgen: Mein behandelnder Nervenarzt ist
zugleich Psychiater. Ich suche in ca. 1mal monatlich auf, und das
Gespräch dauert etwa 10 Minuten. Kann man da von einer Gesprächtherapie
sprechen?
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner: Nein.
Heise: Von einer Bekannten habe ich einmal gehört, für sie sei Psychoeduktion schädlich gewesen.
Kann es schaden, sich so umfassend wie möglich über die bipolaren Störungen, ihre medikamentöse
Behandlung und zusätzliche psychotherapeutische Behandlungsprogramme zu informieren?
Kann Psychoedukation wirklich im Einzelfall schaden?
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner: Psychoedukation kann ansich nicht schaden. Wer sich aber dadurch ständig mit seiner Erkrankung auseinandersetzt, der kann stark verunsichert werden, was Stress erzeugen und sich so negativ auswirken kann. Psychoedukation soll jedoch gerade diese Unsicherheiten abbauen und helfen, mehr Kontrolle über diese Erkrankung zu erlangen.
Moderation: Hallo Peggy. Bitte haben Sie
Verständniss, dass im folgenden nur der zweite Teil Ihrer Frage
beantwortet wird. Der erste Teil betrifft Medikamente und passt nicht
zum Thema dieses Chats.
Peggy: Gibt es noch andere Medikamente ausser Lithium, die Sie empfehlen könnten? Kann man sich auch persönlich bei Ihnen in Chemnitz vorstellen. Wir wohnen in der Nähe.
Peggy: Irgendwie bin ich etwas
enttäuscht, Sie schreiben das Sie auf Fragen warten, aber beantwortet
werden sie nicht und der Chat hat bereits Halbzeit. Ich hätte ja noch
'tausende Fragen'.
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner: Ja, das können Sie. Bitte vereinbaren Sie vorher telefonisch einen Termin.
Lowen: Können Sie auch körperbezogene Therapien empfehlen? In Depressionen ist man z. B. sehr verspannt.
Könnten
hier die Bioenergetik, Tanz und Sport hilfreich sein, um die
Verspannungen zu lösen und über den Körper die Psyche positiv zu
beeinflussen?
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner: Man weiß, dass
Bewegung einen positiven Einfluss auf die Stimmung ausübt. Von daher
kann Sport und Tanz eine sehr sinnvolle therapeutische Ergänzung sein.
Um Verspannungen zu lösen und auch innere Anspannung abzubauen, können
zudem Entspannugsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung oder
das Autogene Training empfohlen werden.
Moderation:
Hallo Peggy. Natürlich bitten wir zu Beginn des Chats um Fragen. Wenn
dann aber viele Fragen gestellt werden können nicht alle gleichzeitig
beantwortet werden. Wir haben derzeit 7 offenen Fragen in der
Warteschleife und probieren natürlich alle so schnell wie möglich zu
beantworten. Wenn Sie noch tausend Fragen zum Thema haben, stellen Sie
diese bitte. Wir werden uns bemühen alle zu beantworten. Bitte beachten
Sie allerdings, dass die Frage auch zum Thema "Psychotherapie und
Psychoedukation bei bipolaren Störungen" passen muss.
Frank: Warum erscheint VT für gerade tiefenpsy.
orient. Patienten oft zu 'simpel' sind Freudsche Theorien wegen ihren
Alters glaubwürdiger oder woran liegt das ihrer Meinung nach?
Moderation: Hallo Jens. Ihre Frage ist angekommen und wird beantwortet.
Moderation: Hallo Jürgen. Wie gesagt, wir haben
sehr viele Fragen von Ihnen. Nach Jens werde ich eine weitere
einstellen, danach Lowen und wenn keine neuen kommen, wieder eine von
Ihnen.
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner: Die
Verhaltenstherapie orientiert sich vorrangig an der Problemlösung im
Hier und Jetzt, d. h. es geht darum, konkrete Verhaltens- oder
Denkweisen zu verändern. Vielleicht ist das der Grund, warum diese
Therapieform von manchen als "simpel" eingeschätzt wird. Wenn man
selbst versucht hat, sein Verhalten zu ändern, merkt man, dass dies
durchaus nicht simpel ist. Die Verhaltenstherapie berücksichtigt
darüber hinaus auch frühere Erlebnisse und Konflikte, wenn sie für die
heutigen Probleme relevant sind, was jedoch viele nicht wissen.
jens: wo kann ich mich in Berlin am besten zu Psychoedukations-Gruppen und geeigneten Therapeuten erkundigen ?
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner: Ich weiß, dass in der Charité entsprechende Sprechstunden angeboten werden. Ansonsten verweise ich auf Informationen der DGBS.
Lowen: Kann die kognitive Verhaltenstherapie helfen, seit Jahren bestehende Durchschlafstörungen
unter Behandlung mit Lithium positiv zu beeinflussen? Ich habe immer noch keine Ahnung,
warum
die Durchschlafstörungen mal weniger, mal besser auszuhalten sind (+
nCAP-Gerät wg. Schlafapnoe seit 2000 (richtig eingestellt im
Schlaflabor))?
Moderation: An Jens: Die DGBS e.V. informiert auf der Webseite http://www.dgbs.de/ umfassend um viele Themen. Wenn Sie nicht fündig werden, senden Sie Ihre Anfrage per e-mail an info@dgbs.de, dort wird man sich bemühen Ihnen bei der Suche zu helfen.
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner: Es gibt
verhaltenstherapeutische Programme, um die Schlafhygiene zu verbessern.
Dazu zählen bestimmte Verhaltensregeln, die den Schlaf günstig
beeinflussen können.
Jürgen_neu: Ich hatte schon einmal
einen Verhaltenstherapeuten mit Kassenzulassung gesucht. Leider gab es
nur wenige, bei denen man einen Termin bekam - und der ausgesuchte hat
auch nicht mehr gemacht als mein Neurologe. Gibt es Möglichkeiten, die
Qualitätskriterien zu prüfen?
Frank3: Vielen Dank. Jetzt verstehe ich VT als
überhaupt nicht mehr 'simpel'. Interessant das VT auch, wenn nötig,
tiefenpsychologisch vorgeht.
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner: Sie haben die
Möglichkeit, 5 probatorische Sitzungen bei einem Therapeuten zu machen,
um einschätzen zu können, ob Sie mit dessen Vorgehen zurechtkommen.
Danach können Sie unproblematisch den Therapeuten nochmal wechseln.
Direkte Qualitätskriterien gibt es nicht. Ich würde Ihnen empfehlen,
sich über zeitgemäße Behandlungsstrategien zu informieren, so dass Sie
die therapeutische Behandlung besser einschätzen können. Es kann auch
für den Therapeuten sehr hilfreich sein, wenn Sie bereits ein konkretes
Therapieanliegen haben.
Jürgen: Ich bin seit 2000 EU-Rentner. Gibt es dennoch die Möglichkeit einer Kur (Krankenkasse oder BfA) mit intensiver Psychotherapie?
Moderation: Liebe Teilnehmer. Es geht auf die 19 Uhr zu, wir haben noch 3 Fragen von Jürgen. Diese werden noch beantwortet.
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner:
Die Möglichkeit zu einer Psychotherapie besteht unabhängig von Ihrem
Status, so dass eine Kur nicht die einzige Möglichkeit für eine
Therapie ist.
Jürgen_neu: Welche Therapieformen sind außer VT für bipolar II sinnvoll?
Moderation: Liebe Teilnehmer. Ein Hinweis: Ab dem 11.10 können Sie die Protokolle der Chats auf der Internetseite des DGBS e.V. unter http://dgbs.de/wissen/chat-protokolle/index.php vollständig abrufen.
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner: In der
Behandlung bipolarer Störungen haben sich bislang noch die
Familienfokussierte Therapie und die Interpersonelle und Soziale
Rhythmustherapie etabliert. Die Familienfokussierte Therapie zielt auf
eine Verbesserung der Kommunikation in der Familie ab und wird daher
gemeinsam mit allen Familienangehörigen durchgeführt. Die
Interpersonelle und Soziale Rhythmustherapie behandelt
zwischenmenschliche Probleme und versucht, den Tagesablauf zeitlich in
einen konstanten Rhythmus zu bringen.
Jürgen1: Meine Frau und ich befürchten,
dass mein Sohn (23) ebenfalls bipolar gestört ist. Er hatte eine
ausgedehnte Phase, die wir als Manie interpretieren, gefolgt von einer
bis heute anhaltenden leichten Depression. Er selbst meint, nicht
manisch-depressiv zu sein. Welche Unterstützung können wir außer durch
einen Neurologen noch bekommen? (Ich selbst bin bipolar II.)
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner:
Wichtig wäre es, die Krankheitseinsicht Ihres Sohnes zu fördern, da
Ihnen sonst großteils die Hände gebunden sind. Versuchen Sie,
Parallelen zu Ihrer eigenen Erkrankung aufzuzeigen. Es kann auch
hilfreich sein, ihm Informationsmaterialien zu besorgen. Versuchen Sie
dabei nicht, ihn unter Druck zu setzen, sondern machen Sie nur das
Angebot.
Jürgen1: Gibt es eine sinnvolle Familientherapie, wenn einer oder mehrere aus der Familie betroffen sind?
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner: Wie ich
schon erwähnte, gibt es die Familienfokussierte Therapie. Sie geht
davon aus, dass problematische Umgangsformen in der Familie
(insbesondere ein stark emotionales Klima) Krankheitsrückfälle
begünstigen können. Entsprechend wird versucht, die Kommunikationsform
in der Familie günstig zu verändern.
Jürgen4: Ist die Wirksamkeit von Psychotherapie altersabhängig?
Moderation: Liebe Teilnehmer. Dies ist
die letzte Frage dieser Chat-Runde. Gibt es von Ihrer Seite Anregungen
oder Feedback? Waren Sie mit dem Ablauf zufrieden? Bitte teilen Sie uns
Ihre Eindrücke mit, entweder per mail an info@dgbs.de oder direkt hier als Beiträg in den Chat. Vielen Dank!
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner:
Prinzipiell nein. Psychotherapie bedeutet immer, dass man etwas in
seinem Leben verändern muss, was in der Regel mit Anstrengung und einem
Umlernen verbunden ist. Grundsätzlich ist der Mensch dazu in jedem
Alter fähig. Es hängt daher meistens von der Motivation ab, ob dies
gelingt oder nicht.
Dr. phil. Dipl.-Psych. Petra Wagner:
Vielen Dank für Ihre rege Teilnahme. Wir hoffen, Ihnen weitergeholfen
zu haben. Viele Grüße aus Chemnitz.
Moderation: Liebe Teilnehmer. Der Chat wird nun in einigen Minuten abgeschaltet. Das Protokoll können Sie wie gesagt ab dem 11.10 auf http://www.dgbs.de/ abrufen.
Peggy1: Vielen Dank! Es war sehr interesant.
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