Diagnose
Bipolare Störungen – diagnostische Aspekte
Auch wenn einem bei diesem Thema als erstes „himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ einfällt, so spiegelt dies zwar dramatische Höhepunkte, aber nicht den typischen Verlauf der Erkrankung wider. Diese ist in der Mehrzahl der Patienten eher durch sich oft lang hinziehende Depressionen oder eine beständige Unausgeglichenheit der Stimmungslage, die sich nicht immer in klare Episoden abgrenzen lässt, charakterisiert.
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Einteilung Bipolarer Störungen
Bipolar I (ICD 10: F30 und F31)
Mindestens eine manische Episode
Bipolar II (ICD 10: F31.8)
Rezidivierende Depressionen mit Hypomanien
(Hypomanie: ohne ausgeprägte Beeinflussung von Arbeit oder sozialer Aktivität,
gehobene Stimmung über mind. 4 Tage)
Zyklothymia (ICD 10: F34.0)
Chronische Phasen leichter Depressionen und Hypomanien, weniger als 2 Monate/Jahr symptomfrei
Gemischte/dysphorische Manie (ICD 10: F31.6)
Bipolar I-Störung mit gleichzeitigem Vorliegen manischer und depressiver Symptome.
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Hiervon abzugrenzen sind die verschiedenen Verlaufsformen der bipolaren Erkrankungen:
Rapid cycling (ICD 10: F31.8)
Mindestens 4 Phasen pro Jahr (in ca. 20 % der Fälle)
Ultra rapid cycling (ICD 10: F31.8)
Phasenwechsel innerhalb von Wochen oder Tagen, mehr als 4 Episoden pro Monat
Ultradian cycling (ICD 10: F31.8)
Phasenwechsel innerhalb eines Tages, an mehr als 4 Tagen in der Woche
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Wie erkenne ich eine Phase?
Manische Episode
- Die Stimmung ist für mindestens eine Woche ungewöhnlich gehoben oder auch gereizt und stellt eine schwere Beeinträchtigung der Lebensführung dar.
- Mindestens drei der folgenden Merkmale müssen vorliegen:
gesteigerte Aktivität, Ruhelosigkeit, Rededrang, Ideenflucht, Gedankenrasen, Verlust sozialer Hemmungen, vermindertes Schlafbedürfnis, überhöhte Selbsteinschätzung, Ablenkbarkeit, ständiger Wechsel von Aktivitäten, tollkühnes oder rücksichtsloses Verhalten, gesteigerte Libido.
- Es gibt manische Episoden mit und ohne psychotische Symptome,wobei sich normalerweise sogenannte stimmungskongruente (= der Stimmung entsprechende) Wahnsymptome entwickeln.
Hypomane Episode
- An vier aufeinander folgenden Tagen gehobene oder gereizter Stimmung.
- Mindestens drei der folgenden Merkmale: gesteigerte Aktivität, Unruhe, Gesprächigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Ablenkbarkeit, vermindertes Schlafbedürfnis, Libidosteigerung, leichtsinniges oder verantwortungsloses Verhalten, gesteigerte Geselligkeit.
- Die persönliche Lebensführung ist normalerweise nicht beeinträchtigt.
- Die Episode erfüllt nicht die Kriterien einer Manie.
Depressive Episode
- Eine depressive Episode kann leicht oder mittelgradig (F32.1) mit oder ohne somatische (= körperliche) Symptome verlaufen, sowie in eine schwere
depressive Episode mit oder ohne psychotische Symptome eingeteilt werden.
- Es gibt Hauptsymptome
depressive Stimmung, Verlust von Interesse und Freude, Antriebsmangel.
- Und Zusatzsymptome
Verlust des Selbstwertgefühls, Selbstvorwürfe, Schuldgefühle, Todes- und Suizidgedanken, suizidales Verhalten, vermindertes Denk- und Konzentrationsvermögen, Unentschlossenheit, psychomotorische Agitiertheit oder Hemmung, Schlafstörungen, Appetitstörungen.
- Episodeneinteilung
- leicht (zwei Haupt- und ein bis zwei zusätzliche Symptome)
- mittel (zwei Haupt- und mindestens drei zusätzliche Symptome)
- schwer (drei Haupt- und mehrere zusätzliche Symptome)
Autoren
PD Dr. Jens Langosch
Dr. Sonja Gerber
Universitätsklinikum für Psychiatrie und Psychotherapie Freiburg
Stand: Nov. 2007
DGBS e.V. - Fragebogen zu bipolaren Störungen
Fragebogen zur Selbsteinschätzung
Publikationen zum Thema Diagnostik
Schizoaffektive versus bipolare Erkrankungen
Dr. Thomas Aubel, Dortmund
Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift NEUROTRANSMITTER, Heft 5/2007
Urban & Vogel Verlag GmbH, München
Dr. Heinz Grunze, Dr. W. Emanuel Severus, München
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Chat Protokoll - Diagnose bipolarer Störungen
mit Prof. Dr. Peter Bräunig
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