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Inside Trialog – Trialog inside?

Im September 2011 wurde ich im Rahmen der Mitgliederversammlung in Mannheim zu einem der beiden Betroffenenvertreter im Vorstand der DGBS gewählt. Bis vor wenigen Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, aktiv in einem Verein tätig zu werden – zu sehr bestimmten die Klischees von vereinsinternen Intrigen und Querelen mein Bild von solchen Interessensgemeinschaften wie etwa Kaninchenzüchter- oder Schrebergartenvereinen. Nur bei der GEMA war ich bis dahin aufgrund meiner früheren Tätigkeit als Komponist und Musiker Mitglied, allerdings rein passiv. Die DGBS zeigte sich jedoch als eine Vereinigung, die genau meine Interessen als Betroffener der Bipolaren Störung vertritt und bei der ich nach und nach gerne zunehmend mehr mitgestaltete und Verantwortung übernahm.

Auf die DGBS stieß ich eher zufällig, als ich 2008 nach den Stichworten „Bipolare Störung“ und „Forum“ googelte. Erst kurz zuvor war ich mir der Existenz von Internetforen bewusst geworden und nun wollte ich einmal sehen, ob es auch etwas zu meiner speziellen Disposition gibt. Die Entdeckung des Bipolar-Forums der DGBS erwies sich als eine kleine Offenbarung: Hier fand ich auf einmal ganz viele andere, die mit denselben oder ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben wie ich und konnte mich mit ihnen austauschen.

Es dauerte nicht lange, bis ich im Forum als einer der Administratoren Verantwortung übernahm; eine ziemlich anspruchsvolle Aufgabe, da man sich täglich durch zahlreiche, manchmal mehrere Hundert neuer Beiträge lesen und auf den angemessenen Umgang der Teilnehmer untereinander achten muss. Dem Forum verdanke ich viel. Nicht nur habe ich meine Psychoedukation vor allem über das Forum absolviert (fast alles, was ich über Bipolare Störungen weiß, habe ich auf diesem Weg erfahren) – ich konnte auch sehr viel von den anderen Teilnehmern lernen, etwa ein gelungenes Selbstmanagement oder wie man der Erkrankung am besten begegnen kann und sich öffentlich als Betroffener darstellt.

Nach zwei Jahren als Administrator war ich noch in beratender Funktion als Admin-Supervisor im Forum tätig. Parallel dazu wurde ich Mitglied des Arbeitskreises Betroffenenselbsthilfe der DGBS, wo ich in den Teams „Jahrestagung“, „Neue Medien“ und „Mitgliedergewinnung“ mitwirke. Dietmar Geissler (derzeit kommissarischer Geschäftsführer der DGBS) bat mich um meine Mitarbeit bei der Neugestaltung der DGBS-Website; eine Aufgabe, die ich gerne annahm. In den folgenden Wochen übertrug und aktualisierte ich die Inhalte der alten auf die neue Website und richtete den Bereich „DGBS kreativ“ ein, wo Betroffene, die sich kreativ betätigen, ihre Werke in den Bereichen Malerei, Fotografie, Gedichte, Kurzgeschichten, Musik und Video vorstellen können – eine Arbeit, der ich noch immer mit viel Freude nachkomme. Auch jetzt noch betreue ich die Website der DGBS und halte sie auf dem Laufenden. Des weiteren wurde mir die Gestaltung der Psychoedukations-Website der DGBS www.ratgeber-bipolar.de übertragen.

Nach dieser Vorgeschichte war es ein logischer Schritt, sich für einen Vorstandsposten zu bewerben, mit dem man noch mehr gestalten und die Geschicke des Vereins mitbestimmen kann. Worauf ich nach der Wahl besonders gespannt war: Besteht der Trialog innerhalb der DGBS nur auf dem Papier oder wird er tatsächlich praktiziert? Schon die ersten Vorstandssitzungen zeigten, dass der Trialog wirklich gelebt wird. Natürlich nimmt der erste Vorsitzende, der bei der DGBS satzungsgemäß immer ein Profi ist, in manchen Fragen die Sache in die Hand und entscheidet in letzter Instanz, was zu tun ist. Doch diese Entscheidungen sind immer Resultat einer eingehenden Diskussion, welche die Argumente der Angehörigen und Betroffenen im Vorstand mit einbezieht und berücksichtigt. Diese Diskussionen finden immer auf Augenhöhe statt; ein Beweis dafür, dass der Trialog, worum uns manche Fachgesellschaft beneidet und der richtungsweisend für die Zukunft der Psychiatrie ist, innerhalb der DGBS gelebt und umgesetzt wird.

Gewundert hat mich indes, wie selten im Verlauf dieser zwei Jahre Betroffene direkt an mich herangetreten sind, um ihre Interessen zu vertreten. Gerade dies hätte ich zu meinen vordringlichsten Aufgaben gezählt. Entweder gibt es hier tatsächlich wenig Bedarf oder man weiß zu wenig über diese Möglichkeit, Einfluss zu nehmen.

Im Verlauf meiner Vorstandstätigkeit wurde mir das Referat Öffentlichkeitsarbeit der DGBS übertragen, was z.B. die Gestaltung und den Versand des Newsletters umfasst, auch Pressemitteilungen zu aktuellen Ereignissen rund um die Bipolare Störung gehören zu den Aufgaben, ebenso die Betreuung des Facebook- und Twitter-Accounts der DGBS. Für die Pressearbeit baute ich eine Datenbank mit ca. 1.000 Adressen von allen in Frage kommenden Medien auf, die regelmäßig über aktuelle Veranstaltungen und Angelegenheiten, die die Bipolare Störung betreffen, unterrichtet werden. Auch das Verfassen von Statements zu gesundheitspolitischen Entwicklungen (in Absprache mit dem Gesamtvorstand) gehört zu meinen Aufgaben. Darüber hinaus vertrete ich gemeinsam mit Dietmar Geissler die DGBS im Gemeinsamen Bundesausschuss, einem wichtigen politischen Gremium im Bereich Gesundheitspolitik.

Bei der nächsten Mitgliederversammlung im Rahmen der Jahrestagung in Greifswald wird der Vorstand wieder neu gewählt. Sofern die Mitglieder des Vereins mir erneut ihr Vertrauen aussprechen und mich wiederwählen, würde ich mich freuen, den mir übertragenen Aufgaben für zwei weitere Jahre nachzugehen und die Belange der DGBS im Sinne der Betroffenen weiter voranbringen zu können.

Martin Kolbe

 
 
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